Hans und Lea Grundig Preis 2015

Das Projekt »Aus dem zweiten Leben. Dokumente vergessener Architekturen« wurde mit dem Hans und Lea Grundig Preis im Bereich Kunstvermittlung ausgezeichnet. Die offizielle Preisverleihung erfolgt am 26. November 2015, ab 19 Uhr im Auditorium der Berlinischen Galerie.

Begründung der Jury:

»Aus dem zweiten Leben. Dokumente vergessener Architekturen« — Preisträger im Bereich Kunstver- mittlung ist ein kollektives Forschungs- und Filmprojekt, das im Sommer 2014 an der Bauhaus-Universität Weimar mit Studierenden der Fakultät Architektur und der Fakultät Medien erarbeitet und ausgestellt wurde. Das Projekt verbindet historische Recherchen mit eigener Filmproduktion. Es stellt in vieler Hinsicht ein gelungenes Experiment in der universitären Lehr- und Forschungsarbeit dar. Jungen Filmemachern und Künstlern wird eine intensive Auseinandersetzung mit Architektur ermöglicht, Architekturstudenten erlernen das Filmemachen. Zum anderen initiierte diese kollektive Recherchearbeit eine besondere Art der Aneignung der Geschichte: Die Beobachtung von städtischen Räumen, Gebäuden, Plänen und Dokumenten wurde mit der Dokumentation von Lebensgeschichten so verbunden, dass ein weitreichendes wissenschaftliches Netzwerk entstand, das von einer intensiven Literaturrecherche, Anfragen in städtischen und privaten Archiven und Sammlungen bis hin zu schriftlichen Korrespondenzen und Interviews mit Familienangehörigen, Bewohnern, Historikern, Denkmalpflegern und Experten reichte. Die wissenschaftliche Arbeit ist so mit Korrespondenzen und Freundschaften verbunden, die gerade für Familienangehörige von weniger bekannten Architekten eine unerwartete Anerkennung von deren Lebenswerk bedeutet. Im Mittelpunkt der Recherche standen neun vertiefende Studien zu deutsch-jüdischen Exilarchitekten. Das Forschungsprojekt begann mit einer zehntägigen Studienreise von dreizehn Studierenden nach Israel und in das Westjordanland. Die Forschungsarbeiten wurden in einer Ausstellung mit neun Präsentationstischen und neun Filmen à ca. 25 min. an der Bauhaus-Universität in Weimar präsentiert. An dem Projekt waren die Studierenden Ortrun Bargholz, Riccarda Cappeller, Martin Girard, Ayla Güney, Vera Heinemann, Eva Maria Körber, Tim Mahn, Ana Paula Nitzsche, Lucas Podzuweit, Tamara Popovic, Sebastian Richter, Ferdinand Salzmann, Julia Tarsten sowie die Betreuer/innen Prof. Dr. Ines Weizman, Wolfram Höhne und Markus Schlaffke beteiligt. Das Projekt wird fortgesetzt und soll zukünftig weitere Situationen migrantischer Existenz von Architekten im 20. Jahrhundert erforschen und so der Architekturgeschichte der Moderne neue Seiten hinzufügen. Die Jury anerkennt mit der Vergabe einer Preissumme von 3.000 Euro das einzigartige Format einer kollektiven Forschungsarbeit von Studierenden und Wissenschaftlerinnen, deren internationale Vernetzung sowie den theoretisch reflektierten, interdisziplinären und mediengestützten Ansatz.

www.hans-und-lea-grundig.de/preistraeger-2015/