KuHa-30/14

KUPFER IM KOFFER
Das wachsende Haus.

Dieses Projekt erzählt die Geschichte einer Erfindung – Häuser aus Kupfer zu bauen. Die Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG entwickelte in den 1920-er Jahren Fertighäuser aus Kupfer. Walter Gropius, der sich zunächst in einem Gutachten recht kritisch über die städtebauliche Funktion und Wirtschaftlichkeit solcher Einfamilienhäuser äußerte, wird noch 1931 unter anderem von der Firma dazu beauftragt, das Material auf seine Eigenschaften zu prüfen und die Standardisierung und Vermarktung dieser Häuser zu optimieren. Als nach der Weltwirtschaftskrise der Verkauf dieser aus dem unempfindlichen, recyclefähigen und leicht formbaren, doch nun unerschwinglichen Material produzierten Häusern, nahezu unmöglich wird, wird auch die Arbeit an der Weiterentwicklung der Fertigteilhäuser, die eigentlich in die ganze Welt exportiert werden sollten, eingestellt.

Als die Machtergreifung der Nationalsozialisten, jüdische Familien zwang, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen, bot die Firma Hirsch ihre Fertighäuser mit einer neuorientierten Werbekampagne und einem überarbeiteten Geschäftsmodell erneut an. Denn nach einem Kapitaltransferabkommen, welches das Reichswirtschaftsministerium Mitte 1933 mit dem britischen Mandatsgebiet Palästina abschloss, wurde es für kurze Zeit möglich, Eigentum mittels Warenlieferungen nach Palästina zu schicken. Für die Emigranten, denen es nicht gestattet war, Devisen aus Deutschland auszuführen, bedeutete dies zum Einen, dass sie durch die transportierbaren Häuser bei Ihrer Ankunft bereits ein Eigenheim vorfinden konnten. Zum Anderen waren ihre Ersparnisse vorerst sicher im Material Kupfer angelegt.

Das Projekt ‚Kupfer im Koffer’ recherchiert vier Kupferhäuser in Haifa, die von den ursprünglich vierzehn dort aufgestellten Häusern heute noch in Haifa erhalten sind. Der daraus entstandene Film dokumentiert die unterschiedlichen Sichtweisen der Bewohner auf ihre Häuser, in denen heute bereits die dritte Generation seit der Ankunft der Jeckes, der deutschstämmigen Juden, die nach Palästina kamen, lebt. Es entsteht ein Mosaik aus Erzählungen über das Leben in diesen Häusern, und über ihre Erhaltung, Renovierung und Weiterentwicklung. Das buchstäbliche Kratzen an der Patina dieser „Heimatcontainer“ scheint die Erinnerungen und die Lebensgeschichten der Bewohner zum Sprechen zu bringen.

Ein Projekt von:
Riccarda Cappeller (riccarda.cappeller@uni-weimar.de)

zum Film (passwortgeschützt)