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IT DOESN’T EXIST ANYMORE
Eine Biographie des Café Galina, Tel Aviv.

Für ein Café, mitten am Strand von Tel Aviv entwerfen 1934 die beiden Architektinnen Elsa Gidoniund Genia Averbouch und der Architekt Shlomo Ginsburg ein modernes Gebäude, welches rechtbald zu einem kulturellen Zentrum auf dem Gelände der internationalen Handelsmesse, der Levant Fair wird.

Auf der großen Terrasse des Café Galina trifft man sich nicht nur zu Kuchen, Getränk, und Tanz – vondort kann man auch den Ausblick auf das Meer, auf Veranstaltungen am Strand und auf die moderneArchitektur der benachbarten Ausstellungsgebäude genießen. Das Innere des Gebäudes lässt sichbeliebig für Tanzabende, Jazzkonzerte, Hochzeiten und politische Treffen nutzen.

Für den Entwurf des erfolgreichen Cafés, ihr einziges gemeinschaftliches Werk, werden diebeiden Frauen als Architektinnen in Palästina berühmt. Elsa Gidoni ist über diese Wertschätzungsicherlich überrascht, denn in Deutschland darf sie bis zu ihrer Emigration nach Palästina 1933nur als Innenarchitektin arbeiten. In Berlin war sie bereits stolz, dass sie sich 1929, nach ihremArchitekturstudium in St. Petersburg und einer Hospitanz an der Technischen HochschuleCharlottenburg, zumindest ihr eigenes Büro für Innenarchitektur einrichten konnte.

Gleich nach ihrer Ankunft in Palästina 1933 wird sie als Architektin bei der technischen Abteilung derLevant Fair angestellt. Sie ist bekannt mit dem Hamburger Ingenieur Willie Weltsch, dem Direktorder technischen Abteilung. Ihre ersten gebauten Projekte in Palästina beschäfigten sich somit mitArchitekturprojekten auf dem Messegelände. Sie entwirft neben dem Café Galina, den SchwedischenPavillon, einen kleinen Pavillon für die WIZO und einen »Pavilion for foreign countrys«.

Genia Averbouch wird 1909 in Russland geboren. Als sie zwei Jahre alt ist, emigriert ihreFamilie nach Palästina. Hier wächst sie von nun an auf. Bereits mit 17 Jahren geht sie nachEuropa, um dort in Rom, Gent und an der Académie des Beaux-Artes in Brüssel Architekturzu studieren. Nach Abschluss ihres Studiums 1930 kehrt sie zurück nach Palästina und eröffnetzusammen mit Shlomo Ginsburg ein Architekturbüro in Tel Aviv.

Dieses Projekt versucht das Leben und Werk dieser beiden Frauen anhand der wenigenAnhaltspunkte aus Fotografien und Dokumenten zu rekonstruieren. Obwohl Originalfotosunwiederbringlich verloren gegangen zu sein scheinen und Bilder in ihrer vielfachen Reproduktionverschwimmen, erzählen diese Fragmente von einem neuen Nachleben von Bildern, Dingen undNamen.

Das Café Galina wird in den 1980er Jahren abgerissen. Heute gibt es am ungefähren Ort des Cafés eine Bar.

Ein Projekt von:
Vera Heinemann (vera.heinemann@uni-weimar.de)
Eva-Maria Lisa Körber (emkoerber@web.de)

zum Film (passwortgeschützt)