FrLa-30/15

MONUMENTAL
»Architektur für den höchsten Zweck«. Das Nachleben der Synagoge in Plauen

Der Architekt Fritz Landauer (1883-1968) galt zu Zeiten der Weimarer Republik als einer der führenden Kräfte auf dem Gebiet des jüdischen Sakralbaus. Er begann seine Karriere zunächst mit Gestaltungen von Grabsteinen, wurde aber 1917 deutschlandweit bekannt durch die Realisierung der Augsburger Synagoge. Dieser im Spätjugendstil angelegte Sakralbau war zur Zeit seiner Errichtung revolutionär. Zum einen, weil seine Konstruktion aus dem damals noch recht neuen Material Eisenbeton bestand, zum anderen weil Landauer einen repräsentativen, im Straßenbild deutlich erkennbaren Bau gestaltet hatte, der auf eine selbstbewusste, in das kulturelle und städtische Leben der Stadt integrierte jüdische Gemeinde verwies. In den 1920er Jahren entdeckte Landauer den aufstrebenden Stil der Neuen Sachlichkeit für seine Architektur. 1928 bekam er von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Plauen 1928 den Auftrag, ihr neues Gotteshaus zu planen.

Die Aufgabe war neu: Die sowohl aus orthodoxen als auch reformierten Juden bestehende Israelitische Religionsgemeinschaft wollte ein gemeinsames Gotteshaus bauen, welches neben der Synagoge auch Räume für Verwaltung und verschiedene Vereine beinhaltete. Landauer entwarf ein einziges, kubisches Gebäude in Stahlskelettbauweise. Der Sockel wurde mit violettbraunem Klinker verkleidet. Der obere Teil der Fassade wurde weiß verputzt. Der Gebetssaal wurde angehoben und über den Fußweg erweitert. Im Straßenbild stellte sich die Synagoge als einfacher Zweckbau dar – nur der Davidstern offenbarte den Bau als jüdisches Gotteshaus. In der Progromnacht des 9./ 10. November 1938 wurde die Synagoge durch einen Brandanschlag zerstört. Die Ruine der Synagoge wurde in den folgenden Monaten abgetragen und die Kosten der jüdischen Gemeinde in Rechnung gestellt. Aufgrund der Zahlungsunfähigkeit der Gemeinde wurde diese enteignet und das Grundstück ging in den Besitz der Communal-Bank für Sachsen über. Während der Kriegsjahre blieb der Ort ungenutzt. Mit der Machtübernahme der sowjetischen Militäradministration wurde der Besitzanspruch über das Grundstück geprüft und der jüdischen Gemeinde Leipzig zugesprochen. Allerdings kehrten nur wenige Juden zurück nach Plauen, sodass es nicht möglich war, ein neues Gotteshaus zu errichten.

1950 erwarb die Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten das Grundstück. Durch den Mangel an Geld und Material behalf sich die Gemeinde zunächst mit einer Notlösung: Eine alte Kriegsbaracke wurde zerlegt, mit einem Kreuz versehen und auf dem Fundament der alten Synagoge wieder aufgebaut. Dieser Bau wurde anschließend 20 Jahre lang genutzt, bis er so baufällig wurde, dass eine Sanierung nicht mehr möglich war. Durch großen Einsatz der Gemeindemitglieder konnte 1972 ein neuer Kirchenbau eingeweiht werden. Aufgrund der anhaltenden Ressourcenknappheit in der DDR wurden nur die Außenmauern und das Dach erneuert. Das Fundament sowie verschiedene weitere Bauteile wurden im Neubau wiederverwendet. Im Jahr 2000 wurder der Kirchenbau generalsaniert, doch nooch heute sind die Spuren der einzelnen Bauabschnitte erkennbar. Der Film ‚Monumental. Architektur für den höchsten Zweck’ beschäftigt sich mit dem Nachleben und den baulichen Veränderungen zweier Synagogen Fritz Landauers, der Synagoge Plauen und einer Synagoge in London (Verweis: Signatur FrLa-36/15).

DANK AN
Harald Gäbel, Joachim Frotscher (Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten Plauen), Stadtarchiv Plauen, Gerd Neumann (Vogtlandmuseum Plauen), Dr. Barbara Wolf, Dr. Werner Lutz (Architekturmuseum Schwaben Augsburg), Jüdisches Kulturmuseum Augsburg, Dr. Sabine Klotz, Dr. Kurt G. F. Helfrich (British Architectural Library – Royal Institute of British Architects), Daniel Leon (Brondesbury Park Synagogue), UCKG London, Julia Seewald, Valerie Servais, Olivia Phillips, Greta Schachermayer, Sebastian Wanke, Arbeitsgmeinschaft RW17, Brigitte Kunz (Natursteinwerk und Steinbruchbetrieb Schubert), Steinmetz Dospiel Weimar

EIN PROJEKT VON

Paul Jochim
paulheinrich.jochim@gmail.com

Lukas Schlicht
schlicht.lukas@live.de

Christoph Hayn
christoph.hayn@gmail.com

Filmlänge: 27:34min

zum Film (passwortgeschützt)